Die Causa Gates oder der Fetisch des Mittelstands.

Sicherlich ist euch ja aufgefallen, dass in vielen „Coronagesprächen“ der Name Bill Gates eine wichtige Rolle spielte. Je nach Mittelstandsblase pro oder contra. In meiner Blase waren es meist die „Schreihälse“ denen anscheinend wichtig war zu verkünden, dass es ihnen wichtig ist gegen die zu sein die gegen Bill Gates sind.

Da sich mir nicht erschlossen hat, was die Situation mit Gates zu tun hat , hab ich mich gefragt was soll das?? Und ich denke da geht es im eine Personalisierung eines Problems. Eine Subjektivierung, um um das eigentliche Problem drumherum zukommen. Denn objektiv betrachtet sind Gates „Taten“, losgelöst betrachtet (von der Akkumulation zu einem undemokratischen Oligarchentum oder halt dem Klassenkampf und dem Kapitalismus) weder gut noch böse. Die liegen jenseits der Moral. Die Beschäftigung mit Gates wird daher von beiden oder besser allen Seiten (bewusst oder unbewusst) zur Verschleierung des eigentlichen Konflikts benutzt. Unser „Problem“ wird auf einen Fetisch ausgelagert. (selbiges könnte man auch leicht auf die gesamte „Coronakrise“ anwenden)

Walter Benjamin soll ja gesagt haben: „hinter jedem Faschismus, steht eine gescheiterte Revolution“. Zu erklären ist das mit der Fetischisierung  des eigentlichen Widerspruches. Also ganz Plakativ am bekanntesten Beispiel: Die gescheiterte kommunistische Revolution in Deutschland, Anfang des letzten Jahrhunderts, wurde praktisch von den Nazis pervers imitiert und der eigentliche Klassenkampf wurde fetischisiert zum Kampf gegen die Juden ( manchmal wird diese Logik ja bis heute, durchaus auch von „Liberalen“ verwendet in dem man behauptet Antikapitalismus sei schon per se antisemitisch.. ein zutiefst faschistisches Narrativ) ähnliches beobachten wir bei der sog. „Islamisierung“ des Nahen Ostens oder der Trumpisierung in den USA.

Bill Gates ist so nur ein Fetisch der vom eigentlichen Klassenwiderspruch unserer Gesellschaft ablenkt.. sowohl positive als auch negative Positionen zur Causa Gates sollten also abgelehnt werden und als Verschleierung der eigentlichen Probleme erkannt werden.

Stellungnahme von Gregor Samsa – Sounds of Subterrania. Ein echter Punk!

Same Same But Different #062

Sounds of Subterrania / Gregor Samsa
Ich möchte meine Vorstellung dazu nutzen, etwas zum Selbstverständnis dieser Reihe zu schreiben. Unter jedes Posting setzte ich folgenden Kommentar “ Diese Reihe soll dazu dienen, kleine Labels in den Fokus zu rücken und Euch ermutigen, vielleicht die eine oder andere Platte dort direkt zu kaufen. Auch wir Labels sind massiv von der Krise betroffen. Also bitte nicht nur liken, sondern auch die Zeit nutzen, sich mit der Musik zu beschäftigen, Unbekanntes zu entdecken und vielleicht die eine oder andere Platte zu kaufen.“ Ziel war natürlich zum einen, Labelmacher in den Fokus zu rücken, die sonst nicht im Fokus stehen. Diese Aufgabe übernehmen oftmals und sehr gut Fanzines wie das OxFanzine oder das Trust Fanzine, aber ich denke, daß ich auf viele Dinge nochmal eine andere Sicht habe.
Ein weiteres, nicht öffentlich formuliertes Ziel war und ist, Menschen aus allen Bereichen der Kultur miteinander zu verbinden und einen Solidarisierungseffekt zu erzeugen. Dieser Versuch ist gnadenlos gescheitert. Die wenigsten Label, Künstler, Konzertorte konnten ihren Einzelkämpfermodus abstreifen, von der Entwicklung einer eigenen Idee mit dem Umgang zu Corona und der gesellschaftlichen Veränderung ganz zu schweigen. Ein Journalist fragte auf seinem Facebookprofil nach den „sinnvollsten und hilfreichsten Corona-Moves aus und in der Welt des Pop“, die Antworten waren erschreckend. Einen Tag kein Bandcamp-fee zahlen zu müssen oder Frank Turners Guitar Tutorials oder daß The National für ihre Angestellten sammelt, spiegelt im Grunde die Bandbreite der subkulturellen Ideenlosigkeit wieder. Zum Glück fand die kulturelle Linke durch das Aufkommen der Hygienedemos eine neue Spielwiese, um sich nicht mit den gesellschaftlichen Veränderungen und Realitäten auseinandersetzen zu müssen.
Corona hat nochmals gezeigt, daß innerhalb der kulturellen Linken kaum eine Vision einer anderen Gesellschaft gedacht wird. Man be- und vergnügt sich mit Schlagersängern und Köchen, um sich selbst besser zu fühlen. Zu einem Entwurf einer eigenen Position kam es noch nicht mal skizzenhaft. Aber was nicht gedacht wird, kann auch nicht erstritten werden.
Man könnte das so stehen lassen und als gegeben hinnehmen, wenn nicht so viele Orte zur Entstehung von Alternativen bedroht wären. Die Annahme, daß bei einem Wegfall der Orte die „Jugend“ einfach etwas gesellschaftskritisches Aufbauen würde, halte ich für grundlegend falsch. Denn wenn selbst für Bikini Kill und Co. und vor allem für die alten Fans der Unterschied von der großen Freiheit zur Roten Flora keine Relevanz mehr hat, warum soll er das dann für junge Menschen haben, die sich diesen Ort und diese Freiheit nie erkämpfen mussten.
61 Tage lang habe ich mir jeden Tag darüber Gedanken gemacht, was mir die Arbeit eines einzelnen Menschen bedeutet. 61 Tage lang habe ich Menschen beschrieben, von denen ich glaube, daß Geld und/oder Ruhm nicht die Antriebsfeder ihrer Arbeit ist. 61 Tage sah ich in eine andere, bessere Welt. Und 61 Tage lang, war ich glücklich in all diese Vielfalt eintauchen zu können.
Ich streite mich gerne, oftmals wird mir das negativ ausgelegt, da das Schaffende im Streit nicht mitgedacht wird. Ich kritisiere gerne, am liebsten die Dinge, die noch eine Bedeutung für mich haben, weil simpel gesagt, ich möchte, daß das Leben besser für alle Menschen wird.
Sounds of Subterrania gibt mir manchmal dafür eine Plattform, vielleicht zu Unrecht und auf dem Rücken von Bands, welche diese Ansicht nicht teilen, vielleicht zu Recht weil ich genau auch für sie kämpfe. Sounds of Subterrania gibt mir die Möglichkeit, fremde Welten zu entdecken. Sounds of Subterrania gibt mir vor allem die Chance, selbstbestimmt durchs Leben zu schreiten. Sounds of Subterrania gibt mir auch das Privileg, mehr Gehör zu finden.
Aber, und das ist auch die Erkenntnis, es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Der Mammon hat das, was mir etwas bedeutet, fest im Griff, die Alternative ist die Fassade, die hilft, sich im Spiegel betrachten zu können.
Ich werde weiter streiten, kritisieren und für eine andere und hoffentlich bessere Welt kämpfen. Ich werde mich weiter als Troll und selbstverliebtes Arschloch beschimpfen lassen und ich werde weiter versuchen, das zu sagen,was ich denke. Ich werde weiter Fehler machen und versuchen, diese zu revidieren. Ich werde weiter scheitern und doch glücklich des Versuches wegen sein.
Und ich werde weiter Labels und die Menschen dahinter vorstellen, da diese mich einfach mehr interessieren und relevanter ist als eine Punkrocksupergroup.
Es würde mich sehr freuen, wenn ihr gemeinsam mit mir diesen Weg geht und wenn wir gemeinsam die Schlupflöcher für die Erbauung einer besseren Welt finden können.

Webseite / Webshop:
www.soundsofsubterrania.com

Besorgte Bürger und die gefühlte Angst. Wie Ängsten und menschenfeindlichen Tendenzen begegnen?

Die sog. „Coronakrise“ erinnert an sehr vielen Punkten an die sog. „Flüchtlingskrise“ von 2015. Wieder sind wir als Gesellschaft mit einem „Mob“ konfrontiert der seine irrationalen Ängste zu einer allgemeinen Agenda für die ganze Gesellschaft machen will. Traten 2015 noch ein Großteil der Bevölkerung, zu recht, gegen autoritäre Strukturen, Grenzschließungen und Diffamierungen des Nächsten ein, haben sich in der gegenwärtigen Situation, die damals noch nicht gesellschaftsfähigen, Tendenzen durchgesetzt .. der besorgte Bürger hat gewonnen. Seine irrationale Angst vor Äußeren Einflüssen bestimmen heute unseren Alltag.

Auch das Heilsuchen bei reaktionären Gruppen (AfD, CDU) und das offensichtliche Versagen der gesellschaftlichen Linken sind gut mit 2015 vergleichbar. Nur sind heute die Grenzen wirklich zu, unveräußerliche Rechte werden der irrationalen Angst geopfert und Denunzierungen sind gesellschaftsfähig in bis dahin lange nicht mehr vorstellbarer Weise.

Genau wie 2015 sollte man die irrationalen Ängste bis zu einem bestimmten Grad ernst nehmen – zu mal sie jetzt ja wirklich unseren Alltag bestimmen – 99.8 % der Menschen in diesem Land sind nicht infiziert (gewesen) genauso wie 99,8% der Flüchtlinge sicherlich keine kriminellen Ambitionen haben oder hatten.. trotzdem schlägt diese in reale Gesellschaftspolitik über. Das ist zutiefst reaktionär (praktisch wortwörtlich) und dem MUSS!! entgegengetreten werden.

Besorgte Bürger sollten psychologisch betreut werden und Angstprediger , ob in öffentlichen Medien oder in den Untiefen des Internets, sollten identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden .. kein Fußbreit der Reaktion nie wieder Faschismus!!

The music scene is dying

The music scene as it once was will die. No musician can continue in this uncertainty. We just have to find new professions. And to be honest: the last few weeks have made me realize how reactionary and selfish most people are. And before I waste my time for people who would be better off in the Junge Union (christian right wing youth organisation under our government) … I think it is time to open a new chapter.

Die Musikszene wie sie mal war wird sterben. Kein Musiker kann in dieser Unsicherheit weiter machen. Wir müssen uns halt neue Berufe suchen. Und mal ehrlich: die letzten Wochen ist mir erst mal bewusst geworden wie reaktionär und egoistisch die meisten Menschen sind. Und bevor ich meine Zeit für Leute vergeude die in der Jungen Union besser aufgehoben wären .. ist es wohl Zeit ein neues Kapitel aufzuschlagen.